Leben nach bzw. mit einer Krebserkrankung

118. Der weisen Stein ist in dir.
Mensch geh nur in dich selbst.
Denn nach dem Stein der weisen
Darf man nicht allererst in fremde Lande reisen.

Angelus Silesius (Johannes Scheffler)
Cherubinischer Wandersmann, 1675, Drittes Buch Geistreicher Sinn- und Schluß-Reime, 1675

 

Ca. jeder dritte Erwachsene erkrankt an Krebs. Je nachdem, welches Organ betroffen ist und wie früh die Diagnose gestellt wird, kann davon ausgegangen werden, dass die Behandlung eine heilende sein wird oder die Erkrankung „unter Kontrolle“ ist. Irgendwann beginnt dann das Leben nach bzw. mit dem Krebs.

 

Die einschneidenden Lebensveränderungen durch eine Krebserkrankung bedeutet nicht nur das Ende der Lebensphase ohne Krebs, sondern auch den Beginn eines neuen Lebensabschnitts.

Leben mit einer Krebserkrankung

Wurde eine Krebserkrankung diagnostiziert, so ändert sich die Bedeutung von „Gesund Leben“. Gesundes Leben bedeutet jetzt nicht mehr, frei von Problemen zu sein. Es bedeutet, fähig zu sein, mit ihnen umzugehen. Auch – und besonders – in der Lebensphase „während der Krebsbehandlung“ sowie nach dem Krebs sollte die Balance im eigenen Leben gefunden werden: Harmonie zwischen Körper, Seele und Lebensbedingungen. So kann sich für den erkrankten Mensch eine Chance entwickeln, die Belastungen des Alltags zu bewältigen.

Leben nach einer Krebserkrankung

Nach dem Krebs ist alles anders. Der geheilte Mensch ist nicht mehr wie vorher, auch wenn keine offensichtlichen Beeinträchtigungen erkennbar sind.

 

Auch für die Partnerin – den Partner ist die Krebserkrankung eine Verletzung. Der Umgang mit der veränderten Lebenssituation ist für die Mitmenschen eine besondere Herausforderung. Schließlich müssen sie sich doch nicht immer wieder nur für „Weiterleben? – Aber ja doch!“ entscheiden, sondern auch gegen einfaches Weglaufen. Diese Konfliktsituation geht leider viel zu oft in den Aktivitäten um die Erkrankten unter und kann eine Partnerschaft und die Familie erheblich belasten.

 

Die Psychoonkologie begleitet Betroffene während der Krebstherapie, der Rehabilitation und der Nachsorge. Sie berücksichtigt neben den psychischen auch die sozialen und sozialrechtlichen Aspekte der Krebserkrankung.
Während die medizinische Behandlung als kämpfen "gegen" den Krebs verstanden werden kann, so kämpfen die Erkrankten und ihre Angehörigen eher  "für" eine lebenswerte Perspektive.
Während die Krankheit ein medizinisches Bild darstellt, zu dem es objektive Therapieziele gibt, bedeutet Kranksein die indidividuelle Erfahrung der Betroffenen und ihres sozialen Umfelds. Hier können sich durchaus Diskrepanzen zeigen, die es zu bewältigen gilt. 

Weiterführende Informationen

„Überleben – das ist keine belanglose Feststellung von „Glück gehabt“, sondern sollte verstanden werden als Gabe und Aufgabe. Menschen sollten sich den unvorhersehbaren Herausforderungen ihres Lebens stellen und lernfähig bleiben.“ (aus: Überleben. Gabe und Aufgabe. Festgabe der Evangelischen Forschungsakademie. Andreas Lindemann zum 70. Geburtstag. Herausgegeben von Christian Ammer, 2013)
Hier als PDF zum Download

Nach dem Ärger und der Trauer über die verkürzte Lebenszeit darf der Gedanke auftauchen, die Kostbarkeit der verbleibenden Zeit wahrzunehmen und diesem Leben seinen besonderen Sinn zu geben.

 

Hypnotherapeutische Übungsanleitung

Dr. Agnes Kaiser Rekkas: Ich lebe mich gesund! Acht Hypnoseanleitungen zur Förderung der Selbstwirksamkeit in der Psychoonkologie. Weitere Informationen: www.kaiser-rekkas.de/audio/

 

Literatur

Auch wenn viele Krebserkrankungen geheilt werden können: die Auseinandersetzung mit einer potenziell lebensbedrohlichen Erkrankung bringt auch den Gedanken an den eigenen Tod mit sich. Die Angst vor dem eigenen Sterben wird mit geprägt durch die Scheu der Mitmenschen, darüber zu reden. Ein paar aktuelle und nicht sehr umfangreiche Bücher, die sich auch gemeinsam lesen lassen, sind:

Barbara Brüning, Laura Brüning, Hans-Udo Zenneck (2015) Wie ich es will. 10 Entscheidungen, die jeder vor dem Lebensende treffen sollte. Beltz-Verlag, ISBN 978-3-407-85744-6

Giovanni Maio (2015) Den kranken Menschen verstehen. Für eine Medizin der Zuwendung. Herder-Verlag, ISBN 978-3-451-30687-7

Ralf T. Vogel (2015) Der Tod ist groß, wir sind die Seinen. Mit dem Sterben leben lernen. Patmos-Verlag, ISBN 978-3-8436-0593-9 (Print) 978-3-8436-0624-0 (e-Book)

Sabine Lenz (2014) Die Fähigkeit zu sterben. Meine psychologische Arbeit mit Krebskranken. RowohltVerlag GmbH, ISBN 978 3 498 03803 8

Gian Domenico Borasio (2014) Über das Sterben. Was wir wissen. Was wir tun können. Wie wir uns darauf einstellen. dtv, ISBN 978-3-423-34807-2

Fulbert Steffensky (2007) Mut zur Endlichkeit. Sterben in einer Gesellschaft der Sieger. RADIUS-Verlag, ISBN 978-3-87173-369-7

 

Je früher man die eigene Sterblichkeit spürt, desto besser gelingt ein gutes Leben. Ich bin radikaler geworden, achte mehr auf Sinn und Wert meines Tuns. Wenn Glück Erkenntnis und tiefes Erleben bedeutet, was das letzte Jahr eins meiner besten.

Ilka Piepgras (2015): Von einer, die auszog, das Sterben zu lernen. Zeitmagazin Nr. 35

 

Mitgliedschaften

Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin e.V. www.dgpalliativmedizin.de

Deutsche Gesellschaft für Senologie e.V. www.senologie.org

Deutsche Gesellschaft für Hypnose e.V.  http://hypnose-dgh.de

Netz der PsychotherapeutInnen des Kreises Recklinghausen, PsyNet e.V. http://www.psynet-ev.de/